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Forschungs­basierte
Handlungs­empfehlungen

Logo Uni Hamburg und Forschung ROSI
Im Rahmen des DATI-Piloten und einer intensiven ko-kreativen Forschungsphase sind spannende Ergebnisse entstanden, die wir allen Interessierten an dieser Stelle zur Verfügung stellen möchten.

Was macht die Forschung relevant für Praxisakteure?

Die ko-kreative Forschung im Projekt FlexCity wurde durch das Forschungsbüro für Soziale Innovation (ROSI) der Universität Hamburg durchgeführt.

Wie das ROSI arbeitet:

Praxisorientierte Forschung bedeutet für uns:

  • Forschungsfragen entstehen aus der Praxis
    Zivilgesellschaftliche Akteur:innen, Kommunen und Initiativen formulieren die Herausforderungen, zu denen geforscht wird.
  • Wissen wird gemeinsam erzeugt
    Erfahrungen der Praxispartner:innen fließen systematisch in Datenerhebung, Analyse und Interpretation ein.
  • Ergebnisse sind handlungsorientiert aufbereitet
    Unsere Forschungsergebnisse sind so gestaltet, dass sie zur Lösung konkreter Herausforderungen genutzt werden können

FlexCity ist damit nicht nur ein Umsetzungsprojekt, sondern auch ein Transferprojekt, das wissenschaftlich fundiertes Wissen dort verfügbar macht, wo es gebraucht wird.

Woran wurde geforscht?

Bearbeitet wurden drei zentrale Forschungsanliegen:

  1. Identifikation von Gelingensbedingungen
  2. Nachhaltiges Geschäftsmodell und Skalierung
  3. Bedarfsanalysen und bisherige Nutzungserfahrungen unterschiedlicher Zielgruppen in Stade (Bürger:innen, Organisationen, Selbstständige).

Die Erkenntnisse basieren auf ko-kreativen Workshops, Leitfadeninterviews und Hintergrundgesprächen, Onlinebefragungen, Beobachtungen sowie Analysen von Forschungsliteratur und wurden gezielt für die Nutzung durch Kommunen, Initiativen und Stadtmacher:innen aufbereitet.

Zu jedem Forschungsanliegen stehen ausführliche Ergebnisdokumente zum Download bereit.

Zentrale Forschungs­ergebnisse

1. Gelingens­bedingun­gen für urbane Gemein­schaftsorte

Was braucht es, damit „urbane Dörfer“ funktionieren – im Aufbau und im Betrieb?

In diesem Forschungsstrang wurden Hemmnisse, Erfolgsfaktoren und Good Practices für Aufbau und Betrieb urbaner Gemeinschaftsorte herausgearbeitet. Die Analyse zeigt, dass das Ankerplatz-Konzept in vielen Punkten bereits zentralen Erkenntnissen aus der Forschung zu „sozialen Orten“, „dritten Orten“ und Begegnungsräumen entspricht (z. B. All-Profit-Gedanke, Multifunktionalität und Offenheit, Niedrigschwelliger Zugang und Experimentierraum für neue Engagementpraktiken).

Konkrete Handlungsempfehlungen zum Aufbau neuer Standorte:

  • Klein starten, modular wachsen
  • Klären und kommunizieren: „Welches Problem wollen wir lösen?“
  • Kommunikationsprozesse früh etablieren – intern wie extern.
  • Motivierte Mitstreiter:innen finden und aktiv einbinden: Stadt, Wirtschaft, Zivilgesellschaft.
  • Klare Absprachen mit allen Stakeholdern: Erwartungen, Ressourcen und Zuständigkeiten, Ziele, Förderung

2. Geschäftsmodell und Skalierung

Wie bleiben urbane Gemeinschaftsorte langfristig tragfähig – und wie lässt sich ihre Wirkung skalieren?

In diesem Teilprojekt entstand ein praxisorientierter Leitfaden, der zeigt, wie gemeinwohlorientierte, soziale Orte in Städten wirtschaftlich stabil aufgestellt und perspektivisch skaliert werden können. Der Leitfaden stellt erprobte Ansätze, strategische Überlegungen und praxisnahe Empfehlungen zur Verfügung, die helfen, ein solches Vorhaben strukturiert und ressourcenschonend umzusetzen. Auch beschäftigt sich das Dokument mit Querschnittsthemen wie der Wahl einer Rechtsform oder Community-Management.

Ergebnisse zu Geschäftsmodell und Skalierung:

Das Geschäftsmodell – gemeinwohlorientiert, diversifiziert und resilient: Die wirtschaftliche Tragfähigkeit sozialer Orte wie des Ankerplatzes basiert nicht auf einem einzelnen Finanzierungspfad, sondern auf einem modularen Geschäftsmodell, das unterschiedliche Ertragsquellen kombiniert und auf gemeinwohlorientierte Wertschöpfung setzt. Die fünf Säulen – Vermietung, Events, Verantwortungsgemeinschaft, Marketing und Skalierung – bilden das wirtschaftliche Rückgrat des Projekts.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Diversität statt Abhängigkeit: Je breiter die Einnahmestruktur, desto resilienter das Projekt.
  • Wirtschaftlichkeit ist kein Widerspruch zur Gemeinnützigkeit – sondern ihre Voraussetzung.
  • Die Aufbauphase braucht strategische Priorisierung und realistische Ressourcenplanung.

Die Skalierung – Wirkung verbreiten statt Strukturen kopieren: Im Zentrum steht die Frage: Wie können die Grundideen, Prinzipien und Methoden des Projekts für andere Kontexte zugänglich gemacht und weitergedacht werden? Für den Ankerplatz wurde daher ein hybrides Modell entwickelt, welches unterschiedliche Strategien kombiniert.

Zentrale Erkenntnisse

  • Skalierung bedeutet, lokale Logiken zu respektieren und nicht eins zu eins zu übertragen.
  • Digitale Werkzeuge wie die Plattform FlexCity sind zentrale Enabler für Wissenstransfer und Prozessbegleitung.
  • Sichtbarkeit und systematische Dokumentation sind Schlüsselfaktoren.

3. Bedarfsermittlung in Stade

Wie werden Stade und der Ankerplatz wahrgenommen – was wünschen sich potenzielle Nutzer:innen und Kooperationspartner:innen?

In diesem Teilprojekt wurden zwei umfangreiche Online-Befragungen in Stade durchgeführt. Zielgruppen waren interessierte Bürger:innen sowie Organisationen, Netzwerke und Selbstständige in Stade. Ziel war es, konkrete Bedarfe, Nutzungsmotive und mögliche Barrieren in Bezug auf das Pilotprojekt Ankerplatz explorativ zu erfassen. Die Ergebnisse wurden in einem Tabellenband mit praxisorientierten Erläuterungen aufbereitet. Aussagen können anhand der Datenbasis (Convenience-Sample) ausschließlich für die ca. 300 Teilnehmenden der Bürger:innenumfrage sowie die ca. 50 Teilnehmenden der Organisationsumfrage getroffen werden.

Zentrale Erkenntnisse aus der Bürger:innenbefragung:

  • Ein klarer Nutzungsbedarf ist vorhanden.
  • Besonders hohe Zustimmung erhielten Angebote für: Events & Kultur, Gastronomie, Werkstatt- und Mitmachangebote, Spielflächen für Kinder
  • Zielgruppenspezifische Angebote (z. B. Jugend-, Koch- oder Gartenformate) stoßen ebenfalls auf großes Interesse.
  • Wichtige Nutzungsmotive sind: Freund:innen treffen, Neues ausprobieren, Spaß haben, Innenstadt beleben.

Weitere zentrale Befunde:

  • Kostenlose oder günstige Angebote sind besonders gefragt.
  • Flexible, unverbindliche Nutzung ohne Anmeldung senkt Zugangshürden.
  • Angebote, die Begegnung mehrerer Generationen fördern können, sind: Events, Nachhaltigkeitsformate sowie Angebote und Spielflächen für Kinder

Erkenntnisse aus der Organisationsbefragung:

  • Kooperierende Organisationen sehen den Ankerplatz als Ort zum Netzwerken, für Sichtbarkeit der eigenen Organisation, zum Experimentieren und zur Nachwuchsgewinnung.
  • Kooperationsbereitschaft ist hoch – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
  • Zentrale Erfolgsfaktoren für Kooperationen sind klare Kommunikation, transparente Erwartungen und realistische Ressourcenplanung.

Einordnung: Entstehung und Zeitraum

Im vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter der Förderlinie DATIpilot Sprint geförderten Projekt FlexCity kooperierte der Ankerplatz Stade e. V. zwischen Juli 2024 und Dezember 2025 mit dem Forschungsbüro für Soziale Innovation (ROSI) der Universität Hamburg. Gemeinsames Ziel: Die Funktion von Marktplätzen als Treffpunkt und gesellschaftlichen Ort der Aushandlung zu reaktivieren.

Die in Stade mit dem Ankerplatz seit 2019 erprobte Vision wurde dafür im Projekt FlexCity für andere Standorte zugänglich gemacht und beforscht: Das Ankerplatz-Team entwickelte diese digitale Plattform und stellt sein Wissen zur Verfügung. Das ROSI steuerte auf Basis praxisorientierter Forschung systematisiertes Wissen zu Gelingensbedingungen, Bedarfen und Nutzungserfahrungen sowie einer nachhaltigen Finanzierungs- und Organisationsform bei, welches hier zum Download frei verfügbar ist.

Kontakt

Forschungsbüro für Soziale Innovation (ROSI)
Universität Hamburg – Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Von-Melle-Park 9 · Raum A314a · 20146 Hamburg
📞 040 – 42838 – 2406