Die Nutzung
Die modularen Strukturen sind unheimlich vielseitig und können somit ideal auf die regionalen und spezifischen Bedürfnisse angepasst werden. Das betrifft sowohl die Anzahl der modularen Bauten als auch deren inhaltliche Ausgestaltung. In ihrem Zusammenspiel ergeben die Container ein urbanes Dorf in der Stadt.
Für das Politprojekt in Stade wurden bereits verschiedene Varianten realisiert, für die Baupläne und Genehmigungen vorliegen. Diese Dokumente können neuen Standorten im Planungsprozess zur Verfügung gestellt werden, um den planerischen Aufwand so gering wie möglich zu halten. Auch grobe Kostenschätzungen haben wir hier platziert.
Die so genannte Planbude sollte bei der Errichtung eines urbanen Dorfes der Startpunkt des Projekts sein. Die potentielle Größe ist hierbei variabel, für eine möglichst multifunktionale Nutzung hat sich jedoch der Einsatz von 2×40-Fuß-Container bewährt.
Die Planbude dient in der ersten Projektphase zur Information und Beteiligung der Bürger:innen. An diesem Mustercontainer wird die geplante Architektur für die Menschen bereits greifbar und der Wunsch zum Mitgestalten geweckt. Innerhalb des Containers bestehen verschiedene Möglichkeiten für zeitgemäße Beteiligungsverfahren. Im Pilotprojekt haben wir hierfür ein Lego-Modell, klassische Modellbauten sowie einen digitalen Datentisch genutzt.
Darüber hinaus dient die Planbude als Workspace für die Koordinationsstelle, als Treffpunkt für die Projektgruppe sowie als Austauschmöglichkeit für Gespräche mit Kooperationspartner:innen und Sponsor:innen. Nach Beendigung der Planungsphase kann dieser Bereich zudem für Kurse, Workshops und Lesungen verwendet werden. Auch Achtsamkeitsangebote wie Yoga sind hier vorstellbar.
Mit der Erweiterung um eine Dachterrasse wird die Planbude in den warmen Monaten zu einem lebendigen Treffpunkt.
Mit einer festen Bühne im Container entsteht ein zentraler Anlaufpunkt für Kunst & Kultur im urbanen Dorf. Die Größe ist auch hier variabel und reicht von einem 20-Fuß-Container auf einem Podest bis hin zu zwei übereinander gestapelten 40-Fuß-Containern mit vorgelagertem Podest und Treppenanlage, die auch als Sitzgelegenheit genutzt werden kann.
Die dauerhafte Einrichtung ermöglicht insbesondere kleineren Vereinen, Gruppen und Künstler:innen die Möglichkeit zur Darbietung. Sie wird so gestaltet, dass sie für die meisten Veranstaltungen in einem einfachen Plug & Play-Verfahren über das Smartphone bzw. ein Tablet gesteuert werden kann.
Bei der Planung haben wir neben der einfachen Bedienbarkeit vor allem auch den Schutz vor Vandalismus und Diebstahl in den Vordergrund gerückt. Zudem besteht die Möglichkeit einer modularen Erweiterung, zum Beispiel in Form einer LED-Wand, die die potentiellen Veranstaltungsoptionen um Open-Air-Kinos, Public Viewing und mehr sinnvoll ergänzt.
Insbesondere unter Jugendlichen ist die Unzufriedenheit mit der Politik in den letzten Monaten erheblich gewachsen, was sich auch in den Wahlerfolgen der extremen Parteien in dieser Zielgruppe offenbart. In der Kommunalpolitik werden die Interessen von Jugendlichen und Heranwachsenden oftmals nur rudimentär berücksichtigt und sehr häufig mit einem Jugendzentrum am Stadtrand oder der obligatorischen Skatebahn als erledigt betrachtet gesehen.
Mit dem Next-Gen-Container entsteht ein eigener Bereich von Jugendlichen für Jugendliche. Sie können aktiv in einem Beteiligungsverfahren mit den Schulen ihre Vorstellungen formulieren und anschließend umsetzen. Im Pilotprojekt in Stade haben wir hierfür eine Kooperation mit der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft geschlossen, um den Ausbau als Azubiprojekt voranzutreiben.
Der Container dient anschließend sowohl als moderner Chillout-Bereich ohne Verzehrzwang als auch als Workspace für engagierte Jugendgruppen, die häufig außerhalb der Gastronomie keine geeigneten Räumlichkeiten finden. Der Betrieb sollte möglichst eigenverantwortlich erfolgen, z.B. durch die Gründung einer Schüler:innenfirma, wobei insbesondere volljährige Schüler:innen aktiv in die Aufsicht und Programmgestaltung einbezogen werden können. Somit werden Jugendliche nicht an den Rand gedrängt, sondern sind von Anfang an zentraler Bestandteil des urbanen Dorfes. Ferner ergeben sich hier Potentiale für generationenübergreifende Angebote, exemplarisch durch die Ausbildung zu Digitallotsen, die älteren Menschen bei der Behebung einfacher technischer Probleme mit Smartphone, Tablet oder Fernseher unter die Arme greifen können.
Für eine möglichst nachhaltige Gestaltung des urbanen Dorfes haben wir die so genannte Klimakiste entwickelt. Sie besteht aus einem 20-Fuß-Container mit Gewächshausaufsatz. Im Lagercontainer ist Platz für Gartengeräte, Pflanztische und Blumenerde, zudem befinden sich hier Waschbecken und Wasseranschluss. Im Gewächshaus mit PV-Anlage können Jungpflanzen angezogen werden, auch der Anbau von Obst- und Gemüse ist hier denkbar.
Erweitert werden kann die Klimakiste um einen Bienenfutterautomaten, Insektenhotels oder auch eine aktive Wandbegrünung.
Die Klimakiste wird somit zum Ausgangspunkt für die Begrünung des Marktplatzes. Je nach lokalen Gegebenheiten können Hochbeete, Parklets, Pflanzkübel oder Ampeln für die Straßenlaternen zum Einsatz kommen. Engagierte Bürger:innen finden somit ideale Bedingungen für ihre ehrenamtliche Arbeit und kommen niederschwellig zusammen. Ergänzt werden kann dieses Engagement durch Patenschaften für einzelne Beete sowie eine Kooperation mit örtlichen Garten- und Landschaftsbaubetrieben.
Bauen, Basteln und DIY-Projekte waren insbesondere in der Zeit der Pandemie eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die Menschen wieder zusammenbringen kann. Auf einer Fläche von 2×40-Fuß-Containern kann eine kleine offene Werkstatt errichtet werden, in der vielfältige Nutzungsformen möglich sind. Ein großes transparentes Rolltor bietet Transparenz und die Möglichkeit zur Erweiterung in den Außenbereich.
Möglich sind so Kurse & Workshops, offene Zeiten, private Buchungen aber auch Aktionen wie ein Repair-Café oder eine Fahrradselbsthilfewerkstatt. Dabei ist es auch möglich, gemeinsam an einer Weiterentwicklung des Dorfes zu arbeiten, z.B. durch den Bau von Sitzgelegenheiten, Hochbeeten oder anderen nützlichen Dingen.
Für den Betrieb der Werkstatt ist eine Kooperation mit der örtlichen Handwerkskammer sowie der Kreishandwerkerschaft anzuregen, die so ein spannendes Marketing-Instrument erhalten. Sie eignet sich zudem hervorragend als soziales Projekt, da hier exemplarisch Geflüchtete auch ohne oder mit geringen Sprachkenntnissen ihre Fähigkeiten einbringen können. Dies gilt auch für die Integration von älteren Menschen, die oftmals über ein großes handwerkliches Geschick verfügen und hier eine neue Aufgabe finden können. Als Gegenleistung für die Unterstützung bei Technikproblemen könnten sie hier beispielsweise den Jugendlichen als Gegenleistung bei der Reparatur von Fahrrädern unter die Arme greifen.
Marktplätze sollen für Kinder und Familien ein attraktiver Ort mit geeigneten Angeboten sein. Daher halten wir die Aufstellung eines eigenen Spielplatzcontainers für sinnvoll, der mit einem Kooperationspartner individuell gestaltet werden kann. Als öffentlicher Raum wurde von uns im Pilotprojekt großer Wert auf den Schutz vor Verschmutzung und Vandalismus gesetzt, so dass wir gemeinsam mit dem Hersteller eine verschließbare Variante entwickelt haben. Der Container wird morgens auf- und abends abgeschlossen, so dass über den Tag eine soziale Kontrolle vorhanden ist.
Der Spielplatz sollte im urbanen Dorf durch weitere Angebote erweitert werden, exemplarisch durch unsere digitale Verleihbox für Spiel- und Sportgeräte oder auch temporäre Betreuungsmöglichkeiten, wofür die Planbude genutzt werden kann. Dies gilt auch für elternspezifische Kurse & Workshops sowie Wickelmöglichkeiten in den sanitären Bereichen.
Essen und Kochen gilt als besonders verbindende Leidenschaft, die Menschen wieder zusammenführen kann. Gleichzeitig erlebt derzeit die Gastronomie durch Personalmangel und Inflation eine Krise mit zahlreichen Schließungen von Gasthäusern, Dorfkneipen und Betrieben.
Im Pilotprojekt haben wir uns daher um einen möglichst vielseitigen und multifunktionalen Bereich bemüht, der sowohl gemeinnützige Angebote wie Kochkurse & Workshops als auch eine Gastronomie mit kommerziellen Veranstaltungen ermöglicht. Wie eine Dorfkneipe soll dieser zentraler Anlaufpunkt für die Menschen werden und verschiedene Formate ermöglichen, vom After-Work bis zum Pub-Quizz. Darüber hinaus haben wir großen Wert auf das To-Go-Geschäft gelegt, um zugleich als Versorgungsstation für Snacks & Drinks bei Outdoor-Events zu funktionieren.
Im Pilotprojekt wurde dieser Bereich zudem direkt gegenüber der Bühne platziert, um ihn bei Konzerten und vergleichbaren Events als VIP-Bereich nutzen und vermieten zu können. Hier sind jedoch ne nach Standort vielseitige Möglichkeiten denkbar.
Innerhalb des urbanen Dorfes bietet sich die Etablierung eines zeitgemäßen Supermarktes an. Dieser ist – falls vorhanden – keineswegs als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten zu verstehen, sondern soll eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Ein personalloser und digital gesteuerter 24-Stunden-Betrieb wäre so ein Alleinstellungsmerkmal, zudem besteht je nach Betreiberkonzept die Möglichkeit für die Vermarktung regionaler Lebensmittel. Hierfür sollte das Gespräch mit bestehenden Anbietern gesucht werden, alternativ sind auch Erzeugergemeinschaften oder Akteursgruppe wie die Jungen Landwirte bzw. das Landvolk potentielle Kooperationspartner.
Für ein besonderes Alleinstellungsmerkmal kann im Obergeschoss des Dorfladens ein Bereich für Vertical-Farming eingerichtet werden, um direkt im urbanen Dorf frisches Gemüse produzieren zu können. Hierfür arbeiten wir im Pilotprojekt bereits mit einem spannenden Startup zusammen.
In vielen Regionen des Landes existieren kaum noch relevante Lokalzeitungen, wobei kostenlose Anzeigenblätter häufig durch fragwürdigen und vor allem reißerischen Journalismus auffallen, die die gesellschaftliche Spaltung nur noch weiter befeuern.
Mit einem eigenen Mediencontainer kann im urbanen Dorf die Grundlage für innovative digitale Angebote geschaffen werden. Hierfür wird die notwendige Infrastruktur zur Produktion von digitalem Content bereitgestellt, die sowohl regionale Firmen als auch gemeinnützige Organisationen für ihre Zwecke nutzen können. Im Pilotprojekt haben wir mit dem Podcast „Lage der Region“ ein monatlich erscheinendes Format etabliert, das sich mit dem politischen Geschehen im Landkreis befasst. Für den Betrieb kann der Container einer lokalen Medienagentur zur Verfügung gestellt werden, die sich im Gegenzug für die Durchführung von Kursen & Workshops zum Empowerment von Ehrenamtlichen bereiterklärt. Zudem muss sichergestellt sein, dass hinreichend freie Zeiten außerhalb des kommerziellen Betriebs dafür zur Verfügung stehen.
Das Mini-Studio ist zudem eine ideale Basis zur Vermarktung des urbanen Dorfes. So versammelt sich hier im Idealfall die digitale Kreativszene und berichtet als Nebeneffekt über den neuen „Place to be“ in der Stadt. Auch Content für die LED-Wall der Bühne kann hier entstehen, z.B. Werbespots der Kooperationspartner und Sponsoren.
In einem 20-Fuß-Container können sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und insbesondere für teure E-Bikes geschaffen werden. Immer mehr Menschen verfügen über hochpreisige Räder, die sie aber aus Sorge vor Diebstahl nicht an den öffentlichen Fahrradständern abstellen möchten. Die Boxen (teilweise gegen Gebühr) können mit Lademöglichkeiten ausgestattet werden, zudem bieten sie Abstellflächen für Helme, Taschen und mehr.
Im Bereich Sport & Bewegung geht der Trend immer stärker weg von den Vereinen und hin zu den kommerziellen Fitnessstudios. Dies ist grundsätzlich kein Problem, verstärkt jedoch erheblich das Fehlen von Gemeinschaftserlebnissen. Mit den Angeboten für Sport & Bewegung in den urbanen Dörfern wollen wir diese Lücke schließen und die Vorteile beider Welten miteinander vereinen.
Zentraler Ausgangspunkt hierfür ist der Outdoor-Fitness-Bereich in einem 20-Fuß-Container. Dieser beinhaltet neben frei zugänglichen Bereichen auch Geräte im Innern, die durch ein Rolltor geschützt werden und als registrierte Dorfbewohner:innen verwendet werden können. Für die Finanzierung der Geräte werden Kooperationen mit dem örtlichen Sportartikelhandel sowie Sanitätshäusern angeregt, auch Organe wie der Kreissportbund sowie Krankenkassen können hier aktiv mit eingebunden werden. Für den späteren Betrieb hat sich im Pilotprojekt der Aufbau von Kooperationen mit Vereinen, Studios und Personal-Trainer:innen etabliert. So sollte versucht werden, an möglichst vielen Tagen zu festen Zeiten eine Betreuung des Containers sicherzustellen, was im Sinne des All-Profit-Ansatzes durch kostenlose Schnuppertrainings gelingen kann.
Darüber hinaus sind vielfältige Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen, für die exemplarisch einige Optionen dargestellt werden:
Im Pilotprojekt haben wir eine aufblasbare Sportarena erprobt, die mit recht geringem Aufwand auf dem Marktplatz auf- und abgebaut werden kann. Sie ist vielseitig für verschiedene Mannschaftssportarten (insbesondere Fußball), aber auch für Fitness, Kampf- oder Tanzsport nutzbar. So lassen sich durch die regionalen Akteure Freizeitturniere- und Ligen organisieren, die sich in Stade als spannendes Vernetzungsevent entwickelt haben. Insbesondere das Zusammentreffen von Firmenteams kann besonders intensiv in den sozialen Netzwerken für das eigene Marketing genutzt werden.
Mit einer digitalen Spiel- und Sportbox erhalten alle registrierten Dorfbewohner:innen die Möglichkeit zur Ausleihe. In insgesamt acht Fächern stehen hier Bälle, Tischtennisschläger, Jongliergeräte und weiteres Zubehör zur Verfügung. Das System der Registrierung ermöglicht einen sicheren Schutz vor Vandalismus und Diebstahl, zudem können bei Bedarf auch Bezahlmöglichkeiten oder Sperrzeiten zum Lärmschutz eingerichtet werden.
Somit können alle Interessierten die Geräte niederschwellig und flexibel nutzen. Für die Wartung und Pflege lassen sich regionale Patenschaften schließen, z.B. mit Behindertenwerkstätten oder auch Organisationen wie der Sportjugend.
Mit dem Stader Sportsommer haben wir bereits ein kostenfreies Parksportangebotegeschaffen, das auch im urbanen Dorf stattfinden kann. Während der Sommermonate bieten die örtlichen Vereine Schnupperangebote auf der Event- und Activityfläche und können dafür die vorhandene Infrastruktur (Bühne) nutzen. So besteht die Möglichkeit zum Erproben von Trendsportarten und zum Anwerben neuer Mitglieder.